Kaminberechnung – Warum sie wichtig ist

Eine fachgerechte Kaminberechnung ist die Grundlage für einen sicheren und effizienten Betrieb jeder Feuerstätte. In diesem Artikel erfahren Sie, warum diese Berechnung so wichtig ist und wie sie in der Praxis abläuft – und wie Sie als Hausbesitzer Probleme wie Versottung oder Rauchgasrückstau vermeiden können.

 

Kaminberechnung – Warum sie wichtig ist und wie sie funktioniert

Probleme mit dem Rauchfang wie unzureichender Zug, Rauchgasrückstau oder sogar Austritt, Ausfall von Heizungsanlagen können für Hausbesitzer gefährlich und ärgerlich sein. Eine fachgerechte Kaminberechnung (auch Strömungsberechnung genannt) schafft Klarheit, indem sie die Heizungsanlage exakt nachstellt und Aufschluss auf etwaige Planung oder Montagefehler gibt und in weiterer Folge optimal dimensioniert werden kann und somit ein sicherer Abgasabzug der Abgase gewährleistet ist. Besonders bei Heizungsmodernisierungen, Rauchfangsanierungen oder der Neuerrichtung einer Abgasanlage ist diese Berechnung von großer Bedeutung. Sie basiert auf anerkannten Normen und physikalischen Grundlagen und wird üblicherweise von einem Rauchfangkehrermeister oder spezialisierten Fachbetrieb durchgeführt. Im Folgenden erfahren Sie, wann eine Berechnung nötig ist, wie sie abläuft und welche Parameter dabei eine Rolle spielen.

 

Ursachen und Anlässe für eine Kaminberechnung

Es gibt verschiedene Anlässe, die eine Rauchfangberechnung erforderlich machen können. Heizungsmodernisierungen sind ein häufiger Grund: Wenn Sie z. B. einen alten Heizkessel durch ein modernes Gerät ersetzen (etwa einen Niedrigtemperatur- oder Brennwertkessel), muss geprüft werden, ob der bestehende Rauchfang noch geeignet ist. Neue, effizientere Heizgeräte haben niedrigere Abgastemperaturen, wodurch ein ehemals ausreichend dimensionierter Kamin plötzlich den Anforderungen der neuen Heizungsanlage nicht mehr entspricht. In solchen Fällen ermittelt eine Berechnung, wie viel Förderdruck (Zug) bei der gegebenen Abgastemperatur und dem vorhandenen Querschnitt noch erreicht wird – so lässt sich beurteilen, ob der bestehende Rauchfang funktioniert oder z. B. innen mit einem Rohr verkleinert werden muss.

Auch bei einer Rauchfangsanierung (z. B. Einziehen eines Edelstahlrohres) oder der Neuerrichtung eines Rauchfangs im Zuge eines Hausbaus ist eine Berechnung notwendig. Sie stellt sicher, dass der geplante Querschnitt und die Höhe zum gewählten Heizsystem passen. Ebenso wird bei der Anbindung zusätzlicher Feuerstätten (z. B. wenn Sie einen zweiten Ofen an einen bestehenden Rauchfang anschließen möchten) eine Überprüfung nach Norm nötig – hier kommt ggf. eine erweiterte Berechnung nach EN 13384-2 ins Spiel, da mehrere Geräte an einem Zug spezielle Anforderungen stellen.

Nicht zuletzt können Probleme im Betrieb Anlass zur Berechnung geben. Wenn Ihr Rauchfang Zugprobleme hat, also etwa der Ofen schlecht brennt, Rauch in den Raum drückt oder es zu Kondenswasserbildung kommt, sollte die Anlage rechnerisch überprüft werden. Auch der Rauchfangkehrermeister fordert einen Funktionsnachweis in Form einer Berechnung, bevor er eine neue Feuerstätte genehmigt. Tatsächlich kann der Rauchfangkehrer vor der Abnahme einer Feuerstätte eine solche Berechnung verlangen und im schlimmsten Fall die Inbetriebnahme untersagen, falls Bedenken bestehen, dass der Rauchfang nicht richtig dimensioniert ist. Kurzum: Immer wenn sich am Heizsystem oder Rauchfang etwas ändert – sei es durch Modernisierung, Sanierung oder Neubau – oder wenn der Rauchfang nicht einwandfrei funktioniert, ist eine Kaminberechnung notwendig.


 

Ziel und Funktionsweise der Kaminberechnung

Das Ziel einer Kaminberechnung ist es, die sichere und effiziente Ableitung der Rauchgase zu gewährleisten. Im Kern soll ermittelt werden, welche Rauchfangdimension (Querschnitt und Höhe) benötigt wird, damit die Abgase einer Feuerstätte gefahrlos ins Freie abgeleitet werden und der Ofen oder Heizkessel unter optimalen Bedingungen arbeitet. Dabei werden zwei Schlüsselfaktoren geprüft: Druck und Temperatur. Zum einen muss ein ausreichender Unterdruck oder Überdruck, auch Förderdruck genannt, im Rauchfang vorhanden sein, um die Abgase gefahrlos ins Freie zu leiten. Zum anderen müssen die Abgase eine gewisse Mindesttemperatur behalten, damit sie im Abgasweg nicht zu stark abkühlen und kondensieren. Diese beiden Anforderungen stehen oft in einem Spannungsverhältnis: Ein Rauchfang muss einerseits eine Mindesthöhe haben, um genügend Auftrieb (Förderdruck) zu erzeugen, doch andererseits kühlen die Abgase mit zunehmender Länge ab, was Kondensation begünstigt.

Vereinfacht gesagt funktioniert ein Rauchfang nach dem Kamineffekt: Warme Abgase sind leichter als die umgebende kühle Luft und steigen deshalb im Kamin nach oben. Dieser Auftrieb erzeugt einen Unterdruck im Rauchfang, der auch für die Verbrennungsluft-Ansaugung erforderlich ist. Gleichzeitig wirken dem Auftrieb jedoch Strömungswiderstände entgegen – Reibung an den Wänden, Engstellen oder Umlenkungen bremsen den Abgasstrom. Die Kaminberechnung setzt genau hier an: Sie berechnet, ob die durch den Temperaturunterschied erzeugte Auftriebskraft ausreichend ist, um alle Widerstände zu überwinden und noch den vom Heizgerät benötigten Förderdruck bereitzustellen. Sollte der ermittelte tatsächliche Unterdruck geringer sein als der notwendige Unterdruck der Feuerstätte, wäre der Rauchfang in dieser Auslegung nicht funktionstüchtig. Dann muss z. B. der Querschnitt oder die wirksame Fanghöhe angepasst werden oder eine andere Maßnahme gewählt werden.

Neben den Druckbedingungen überprüft die Berechnung auch die Temperatur: Sie stellt sicher, dass die Abgase nicht innerhalb des Schornsteins unter ihren Taupunkt abkühlen bzw. das richtige Kaminsystem angewendet wird. Unterschreiten die Abgase noch im Rauchfang den Taupunkt, schlagen Feuchtigkeit und aggressive Bestandteile aus dem Ruß sich an der Innenwand nieder – die Folge wäre eine Versottung. Die Berechnung bringt einen Nachweis, dass an der Fangmündung noch ausreichend Abgastemperatur herrscht und mit keiner Kondensation im Fang zu rechnen ist. Ansonsten muss das Fangsystem feuchtigkeitsunempfindlich ausgeführt werden.

Zusammengefasst: Die Kaminberechnung (Strömungsberechnung) ist ein rechnerischer Nachweis, der anhand physikalischer Formeln prüft, ob ein geplanter Rauchfang unter definierten Bedingungen allen zu erwartenden Anforderungen und Betriebszuständen die Abgase sicher ableiten kann und keine Bauteile über ihre Grenzen hinaus beansprucht werden.  


Wichtige Berechnungsparameter und physikalische Grundlagen

Für die Kaminberechnung werden zahlreiche Parameter und Daten berücksichtigt, um die komplexen Strömungs- und Wärmeverhältnisse im Rauchfang abzubilden. Die wichtigsten Einflussgrößen lassen sich in drei Gruppen einteilen: Eigenschaften der Feuerstätte, Eigenschaften des Abgassystems (Verbindungsstück + Rauchfang) und Umweltbedingungen (z. B. geodätische Höhe und Ausmündung über Dach).

Seitens der Feuerstätte fließen vor allem folgende Werte ein: die Nennwärmeleistung (kW) und ggf. der Leistungsbereich des Heizgeräts, die Abgastemperatur am Abgang der Feuerstätte, der Abgasmassenstrom (Menge der Rauchgase, z. B. in g/s), der im Abgas enthaltene CO₂-Gehalt sowie der vom Hersteller vorgegebene erforderliche Förderdruck in Pascal und Anschlussgrößen des Verbindungsstücks. Diese Daten stellt in der Regel der Hersteller des Kessels oder Ofens zur Verfügung (etwa im Typenschild oder technischen Datenblatt). Sie sind essenziell, da sie bestimmen, wie viel Abgas mit welcher Temperatur in den Rauchfang strömt und welchen Förderdruck das Gerät zum einwandfreien Betrieb braucht.

Auf Seiten des Abgassystems werden die geometrischen und materiellen Gegebenheiten erfasst. Wichtig sind der Querschnitt bzw. Durchmesser des Verbindungsstücks und Rauchfangs, die wirksamen Höhen und das Material sowie der Verlauf der Verbindungsleitung. Unter wirksamer Fanghöhe versteht man den Höhenunterschied zwischen der Mitte der Einmündung in den Fang (Anschluss des Verbindungsstücks) und der Fangmündung über Dach. Auch Umlenkungen (Bögen) im Verbindungsstück oder im Kamin werden erfasst: Anzahl, Art und Grad der Bögen müssen angegeben werden, da jeder Bogen einen vom Hersteller geprüften Reibungsverlust (Reibungsbeiwerte) verursacht. Weiterhin fließt ein, wie der Fang im Gebäude verläuft, ob er zusätzlich gedämmt wird und wie er über Dach ausmündet. Bei mehrschaligen Systemen mit integrierter Dämmschicht kühlen die Abgase langsamer ab, was sich positiv auf den Temperaturverlust auswirkt – all diese Details können in der Berechnung berücksichtigt werden. Auch ob die Zuluft für die Verbrennung aus dem Aufstellraum oder von außen zugeführt wird (raumluftabhängig vs. -unabhängig), beeinflusst den Druckverlauf im System maßgeblich.

Aus all diesen Angaben berechnet der Fachmann die resultierenden Strömungsverhältnisse. Die Norm EN 13384 stellt sicher, dass dabei genormte Formeln und Kenngrößen sowie Reibungsbeiwerte und Wärmedurchlasswiderstände für Materialien verwendet werden.

Als Ergebnis erhält man unter anderem den berechneten fördernden Druck (Auftrieb) des Schornsteins und den Druckverlust. Aus deren Differenz ergibt sich der verfügbare Zug (netto Unterdruck) an der Feuerstätte. Zusätzlich prüft die Berechnung die Temperaturbedingungen: Sie kalkuliert z. B., welche Abgastemperatur an der Schornsteinmündung zu erwarten ist. Unterschreitet diese die in der Norm definierten Mindestwerte, gilt die Anlage als feuchteunempfindlich zu planen – sprich, es muss Kondensatfestigkeit gewährleistet sein (z. B. durch säurebeständige Materialien und Kondensatableitung). Andernfalls wird gefordert, durch Maßnahmen wie Dämmung im kalten Bereich des Kamins dafür zu sorgen, dass keine Kondensation auftritt.

Ein praktisches Beispiel für die Bedeutung der Parameter ist der Zusammenhang von Querschnitt, Höhe und Abgastemperatur: Eine Faustregel besagt, dass ein kleinerer Querschnitt zu höherer Strömungsgeschwindigkeit und damit tendenziell zu stärkerem Zug führt. Ist der Querschnitt hingegen sehr groß, strömen die Gase langsamer, kühlen stärker ab und der Zug nimmt ab – ein häufiger Fall bei alten, breiten Kaminen und neuen Heizkesseln mit kühleren Abgasen. Hier zeigt die Berechnung schwarz auf weiß, ob der Status quo ausreicht oder ob der Rauchfang beispielsweise durch ein Edelstahlrohr auf ein kleineres effektives Innenmaß gebracht werden muss, um das Zugverhältnis zu verbessern. Ebenso kann die Berechnung quantifizieren, wie sich eine Kaminverlängerung auswirkt: Mehr Höhe erhöht den Auftrieb (mehr Druckdifferenz), aber auch den Wärmeverlust unterwegs. Die optimale Balance dieser Faktoren zu finden, ist Ziel der Auslegung nach EN 13384.

Zusammengefasst basieren die physikalischen Grundlagen der Kaminberechnung auf Thermodynamik und Strömungslehre: Warme Gase erzeugen Auftriebskraft, Widerstände zehren diese auf. Alle relevanten Größen – von Leistungsdaten der Feuerstätte über Querschnitt und Zugbedarf bis hin zu Biegungsverlusten – fließen in die Berechnung mit ein. Das Ergebnis zeigt, ob der Rauchfang passt oder Anpassungen notwendig sind, damit Abgasanlage und Wärmeerzeuger optimal zusammenarbeiten.  



Bedeutung der Norm EN 13384

Die europäische Norm EN 13384 ist der zentrale Maßstab für Kamin- und Rauchfangberechnungen in Österreich (und ganz Europa). Sie legt ein einheitliches wärme- und strömungstechnisches Berechnungsverfahren für Abgasanlagen fest und hat ältere nationale Normen abgelöst. Teil 1 der EN 13384 behandelt die Einfachbelegung, d. h. Abgasanlagen mit einer angeschlossenen Feuerstätte. Hierunter fallen die meisten üblichen Situationen im Einfamilienhaus – etwa ein einzelner Heizkessel oder Kaminofen am eigenen Rauchfang. Teil 2 der EN 13384 erweitert das Verfahren für Mehrfachbelegungen, also Fälle, in denen mehrere Feuerstätten an einen gemeinsamen Schornstein angeschlossen sind. In solchen Fällen müssen zusätzliche Bedingungen geprüft werden, etwa dass kein gefährlicher Überdruck entstehen kann und kein Abgas in unbenutzte Geräte zurückströmt. EN 13384-2 liefert hierfür die Rechenansätze und ist bis zu einer bestimmten Anzahl von Anschlüssen und Geschossen anwendbar.

Für Hausbesitzer ist vor allem wichtig zu wissen, dass jede neue Abgasanlage nach EN 13384 berechnet werden muss, egal ob gemauerter Kamin oder Edelstahlschornstein. Diese Norm stellt sicher, dass überall ein gleich hoher Sicherheitsstandard gilt und Fehldimensionierungen vermieden werden. In der Praxis fordern Behörden und Rauchfangkehrer die Einhaltung der Norm, da sie die Grundlage für die Betriebserlaubnis bildet. Nur wenn die Berechnung nach EN 13384 schlüssig ist, wird der Rauchfang bei der Abnahme akzeptiert. Das klingt streng, sorgt aber dafür, dass Sie sich auf Ihren Kamin verlassen können.

Die Norm selbst ist sehr detailliert: Sie definiert exakt, welche Formeln anzuwenden sind, welche Einheiten und Referenzwerte gelten und wie mit Sonderfällen umzugehen ist. Für Laien ist der Inhalt kaum verständlich, doch Fachleute – insbesondere Rauchfangkehrermeister – sind mit diesen Vorgaben vertraut. Moderne Berechnungssoftware ist in der Regel an EN 13384 zertifiziert und garantiert, dass alle Berechnungen normkonform durchgeführt werden. Kurz gesagt, EN 13384 gewährleistet, dass eine Kaminberechnung überall nach dem gleichen Standard abläuft und die Ergebnisse vergleichbar und verlässlich sind. Damit bildet sie das Rückgrat für Planung und Sicherheit von Abgasanlagen in ganz Europa.

 

Typischer Ablauf der Kaminberechnung in der Praxis

  1. Datenerhebung: Zunächst sammelt der Fachmann alle benötigten Informationen. Von der Seite der Heizanlage werden die oben genannten Herstellerdaten eingeholt: z.B. Nennleistung, Abgastemperatur, Abgasmassenstrom, erforderlicher Schornsteinzug​. Wenn es sich um eine bestehende Anlage handelt, sind diese Werte oft im Typenschild oder Handbuch zu finden; bei einer geplanten Neuanschaffung liefert der Heizungsinstallateur oder Hersteller sie. Zusätzlich wird die Situation des Rauchfangs vor Ort aufgenommen: Höhe vom Ofenanschluss bis zur Mündung, aktueller Querschnitt bzw. Durchmesser, Material (z.B. Schamott, Keramikrohr, Edelstahl), Verlauf des Anschlussrohres (Länge, Steigung) und Anzahl der Bögen​. Auch die Umgebung fließt ein – etwa die Dachneigung und der Abstand des Kamins zum First, weil daraus die nötige Schornsteinhöhe über Dach ermittelt wird​. All diese Datenpunkte werden sorgfältig notiert. Bei bestehenden Rauchfängen kann der Rauchfangkehrer zusätzlich den Ist-Zug messen oder eine Kaminkontrolle durchführen, um eventuelle Engstellen oder Beschädigungen festzustellen.
  2. Eingabe in ein Rechenprogramm: Heutzutage erfolgt die eigentliche Berechnung fast ausschließlich digital. Spezialsoftware nimmt die erfassten Daten auf und führt die komplexen Berechnungen nach EN 13384 durch. Theoretisch könnte man auch manuell rechnen, da die Norm alle Formeln bereitstellt, doch das ist aufwändig und fehleranfällig. Die Software ermöglicht es, verschiedene Szenarien durchzuspielen und schnell Ergebnisse zu erhalten.
  3. Auswertung der Ergebnisse: Im Fokus stehen zwei Kernfragen: Erfüllt der Rauchfang den notwendigen Förderdruck? Und bleiben die Abgase im zulässigen Temperaturbereich? Die Software zeigt meist klar an, ob die Druckbedingung und die Temperaturbedingung nach EN 13384 erfüllt sind. Falls nicht, können Variablen wie Durchmesser oder Höhe angepasst und erneut berechnet werden. Üblich ist zudem eine Dokumentation der Eingaben und Resultate für Abnahme und Nachweis.
  4. Fachliche Beurteilung und Umsetzung: Abschließend werden Maßnahmen empfohlen: z. B. Einziehen eines einwandigen Edelstahlrohres mit kleinerem Durchmesser, eine Kaminverlängerung oder – falls nötig – ein Rauchsauger bzw. ein Zugbegrenzer. Die Empfehlungen basieren auf den Berechnungsergebnissen und den örtlichen Gegebenheiten.
 

Prävention: Wie eine fachgerechte Berechnung Probleme verhindert

Eine korrekt durchgeführte Kaminberechnung ist nicht nur Formalität, sondern schützt Sie aktiv vor typischen Rauchfang-Problemen. Zugmängel – also unzureichender Schornsteinzug – lassen sich durch richtige Dimensionierung nahezu ausschließen. Die Berechnung stellt sicher, dass der Querschnitt weder zu groß noch zu klein und die Höhe ausreichend bemessen ist, damit stets genug Förderdruck vorhanden ist​. So kommt es gar nicht erst zu dem Szenario, dass Ihr Ofen bei Windstille nicht „zieht“ oder der Heizkessel wegen Unterdruckmangel Störungen anzeigt. Sollte Ihr Kamin im Berechnungsergebnis einen sehr geringen Sicherheitszuschlag beim Förderdruck haben, wird der Fachmann dies erkennen und Maßnahmen vorschlagen (z.B. eine Kaminverlängerung oder Verjüngung), noch bevor es im Betrieb zu Problemen kommt.

Auch das Phänomen der Versottung – gefürchtet vor allem in Altbauten mit kalten, breiten Kaminen – kann durch eine fachgerechte Auslegung verhindert werden. Versottung entsteht, wenn Abgase zu stark abkühlen und innerhalb des Schornsteins kondensieren. Übelriechende braune Flecken am Kamin und bröckelndes Mauerwerk sind die Folge​. Die Berechnung nach EN 13384 berücksichtigt die Abgastemperatur und warnt praktisch davor, wenn ein bestimmter Querschnitt bei den gegebenen Temperaturen problematisch wäre. Ein häufiges Resultat solcher Berechnungen ist die Empfehlung, ein Edelstahlrohr einzuziehen, um den großen gemauerten Querschnitt zu verringern. Dadurch steigen die Abgase komprimierter und bleiben wärmer, sodass der Taupunkt nicht mehr innerhalb des Schachts unterschritten wird​. Mit anderen Worten: Die Dimensionierung wird so angepasst, dass Kondensation vermieden wird – und damit Versottung erst gar nicht entsteht. Sollte eine Abkühlung unvermeidbar sein (z.B. bei einem Brennwertgerät, das sehr kühle Abgase erzeugt), sorgt die Planung dafür, dass der Rauchfang aus geeigneten Materialien besteht (säurebeständig, feuchteunempfindlich) und Kondensat gezielt abgeführt wird. Auch dies fällt unter präventive Maßnahmen einer guten Berechnung.

Ein weiteres Problemfeld ist der Rauchgasrückstau bei ungünstigen Verhältnissen – zum Beispiel wenn Wind auf den Schornsteinkopf drückt oder wenn zwei Öfen an einem Kamin falsch betrieben werden. Hier sorgt die normgerechte Planung dafür, dass ausreichende Mündungshöhen und Abstände eingehalten werden, sodass Turbulenzen den Zug nicht umkehren. Zur Not kann eine spezielle Schornsteinabdeckung oder ein Rauchsauger vorgesehen werden, was ebenfalls aus den Berechnungsdaten abgeleitet wird. Zudem verhindert eine korrekte Auslegung gefährliche Situationen mit Kohlenmonoxid: Bei einem richtig berechneten Rauchfang werden die Abgase zuverlässig abgeführt, sodass kein giftiges CO in Wohnräume zurückgedrückt wird​.

Schließlich bewahrt Sie eine fundierte Kaminberechnung auch vor wirtschaftlichen Schäden. Ein falsch dimensionierter Rauchfang kann nämlich neben den technischen Problemen auch zu höheren Heizkosten führen (etwa durch zu starken Zug, der Wärme ungenutzt absaugt, sofern kein Zugbegrenzer vorhanden ist). Er kann Baumängel verursachen, die teuer zu sanieren sind (durchfeuchtete Wände bei Versottung). Die vergleichsweise kleine Investition in eine Berechnung – häufig deutlich unter 100 € – rechnet sich gegen die potentiellen Folgekosten auf jeden Fall. Kurz gesagt: Prävention ist besser als Reparatur. Durch eine fachgerechte Planung und Überprüfung Ihrer Abgasanlage im Vorfeld sparen Sie sich spätere Probleme wie Zugausfall, Versottung oder sogar Kaminbrände durch Rußablagerungen. Sollten sich im Betrieb dennoch Auffälligkeiten zeigen, kann mit den Berechnungsdaten schnell analysiert werden, woran es liegt, und gezielt gegengesteuert werden.  


Praktische Tipps für Hausbesitzer: Worauf Sie achten sollten

  • Frühzeitige Planung: Bei Heizungsmodernisierung oder Kaminofen-Einbau frühzeitig den Rauchfangkehrermeister einbinden und die Kaminberechnung vornehmen lassen.
  • Bestehenden Rauchfang überprüfen: Prüfen, ob der vorhandene Rauchfang zur neuen Feuerstätte passt; bei Unsicherheit Berechnung durchführen lassen.
  • Anzeichen ernst nehmen: Gelb-braune Flecken, Geruch, Rußflocken, Rauch in Räumen oder CO-Alarm sind Warnsignale – Fachmann kontaktieren.
  • Vorschriften einhalten: Ausreichende Mündungshöhen und Abstände sicherstellen – Ihr Rauchfangkehrer berät hierzu.
  • Mehrfachbelegung nur geprüft: Mehrere Geräte an einem Schornstein nur nach Nachweis (EN 13384-2) zulässig.
  • Materialwahl beachten: Für Brennwertgeräte feuchteunempfindliche, zugelassene Systeme verwenden; bei Festbrennstoff ggf. Edelstahl-Innenrohr.
  • Regelmäßige Wartung: Kehren und prüfen lassen – Ablagerungen beeinträchtigen den Zug und die Funktion.
  • Dokumentation aufbewahren: Berechnung und Feuerstättenbescheid sichern – wichtig für Umbau, Verkauf und Service.
 

Fazit

Eine Kaminberechnung bzw. Rauchfangberechnung ist ein essenzieller Schritt, um die Funktionssicherheit Ihrer Abgasanlage zu gewährleisten. Sie ermöglicht richtige Entscheidungen schon in der Planung und schützt vor Problemen im Betrieb. Moderne Heiztechnologien und Vorgaben machen die Auslegung nach EN 13384 unerlässlich – mit professioneller Hilfe ist das routiniert umsetzbar. Ergebnis: keine Zugprobleme, keine Versottungsschäden und ein effizient arbeitendes Heizsystem.
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